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Zwei Hände, die sich fast berühren, weiches Licht
Liebe08. April 20263 Min. Lesezeit

Gefährtin

Man hat lange geglaubt, Liebe sei ein Gefühl. Dann hat man begriffen, dass Gefühle Wetter sind.

  • #Liebe
  • #Glaube
  • #Islam
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Man redet viel über Liebe. Zu viel, vielleicht. Es gibt Lieder darüber, Filme, ganze Sprachen, die sich an diesem einen Wort abarbeiten, ohne je fertig zu werden. Und trotzdem bleibt etwas übrig, das keine dieser Stimmen erreicht.

Liebe ist nicht das, was man denkt, wenn man jung ist. Nicht das Laute. Nicht das Schnelle. Nicht der Moment, in dem etwas anfängt, sondern der, in dem man merkt, dass es nicht mehr aufhört.

Man hat lange geglaubt, Liebe sei ein Gefühl. Dann hat man begriffen, dass Gefühle kommen und gehen wie das Wetter. Und dass das, worüber man eigentlich reden wollte, etwas anderes ist. Etwas, das bleibt, auch wenn das Wetter wechselt.

Im Quran steht eine Stelle, an der man hängen bleibt, wenn man sie einmal wirklich liest. Adam ist im Paradies. Er hat alles. Und trotzdem fehlt etwas. Allah, der alles weiß, sieht es. Und Allah gibt ihm nicht das, was man erwarten würde.

Keine Mutter, die ihn trägt. Keinen Vater, der ihn lehrt. Keinen Bruder, der an seiner Seite kämpft. Keinen Freund, mit dem er schweigt.

Allah gibt ihm eine Gefährtin. Eine Frau.

Das ist kein kleines Detail. Das ist eine Antwort auf eine Frage, die Adam vielleicht selbst nicht hätte stellen können. Was fehlt, wenn alles da ist? Was fehlt dem Menschen, wenn er im Paradies steht und trotzdem allein ist?

Nicht Gesellschaft. Nicht Hilfe. Nicht Nähe, wie sie zwischen Eltern und Kind besteht oder zwischen Brüdern. Etwas anderes. Etwas, das in keiner der Sprachen, die Adam noch nicht sprach, einen Namen hatte. Und Allah hat gewusst, was es war, bevor Adam es vermissen konnte.

Man versteht das erst, wenn man jemandem begegnet, bei dem man aufhört zu erklären. Nicht weil man nichts mehr zu sagen hätte. Sondern weil sie das, was man nicht sagt, trotzdem hört.

Ruhig wird es dann, auf eine Weise, die man vorher nicht gekannt hat und die man auch nicht erklären könnte, wenn jemand fragen würde. Ohne dass sie etwas sagen muss, verändert sich der Raum, in dem man sitzt. Jeder Tag, den man mit ihr verbringt, ist einer, den man nicht zurückgeben würde, selbst wenn man könnte.

In ihr hat man etwas gefunden, das man vorher nicht benennen konnte und auch jetzt nicht benennen muss. Nicht weil die Worte fehlen, sondern weil keine nötig sind.

Dann, irgendwann auf diesem Weg, versteht man, warum Adam nicht allein bleiben sollte und warum Allah ihm gerade das gegeben hat und nichts anderes. Irgendwo zwischen zwei Atemzügen, an einem Tag, an den man sich später nicht mehr genau erinnern wird, hat man begriffen, was gemeint war. Langsam, weil das Echte langsam ist, weil es sich Zeit lässt, Zeit nimmt und Zeit schenkt.

Es war nicht zu finden, dieses Gefühl, nicht zu suchen, nicht zu planen. Man ist ihr begegnet, einfach so, und alles, was danach kam, war nur noch das Verstehen dessen, was längst geschehen war.

Niemand war gemeint als sie.

In Erinnerung, Mazgin Nerway

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