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Weißes Gewebe im Licht, Andeutung von Pilgertuch und Weite
Glaube05. April 20262 Min. Lesezeit

Man schaut auf

Man weiß, dass sie da ist. Man schaut trotzdem nicht hin.

  • #Glaube
  • #Islam
  • #Reise
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Der Reiseführer sagt: Blickt nach unten. Und man tut es. Man weiß, dass sie da ist, und schaut trotzdem nicht hin.

Die Rolltreppe fährt nach unten. Gebetsmurmeln von links, Schritte auf Marmor, irgendwo ein Kind, das nach seiner Mutter ruft. Menschen weinen schon, bevor man irgendetwas sieht. Man beobachtet sie dabei und denkt: muss ich das auch. Die Ihram-Kleidung fühlt sich fremd an, zu offen, zu wenig. Man zieht sie zurecht. Dann vergisst man sie.

Jahrelang die Frage: wo ist sie eigentlich, wenn man hier steht. Im Auto, beim Einschlafen, auf einem Parkplatz in einer Stadt, die man nicht kennt. Man richtet sich aus, ungefähr, weil ungefähr das Beste ist, was man hat. Und jetzt steht man auf einer Rolltreppe, die nach unten fährt, und ungefähr hört auf.

Er sagt: Wartet noch.

Man wartet.

Jetzt.

Man hebt den Blick. Und sie ist schwarz. Das ist das Erste, was man wirklich sieht. Schwarz, und größer als man dachte, und umgeben von Tausenden, die sich um sie bewegen, langsam, wie Wasser um etwas Festes.

Die Füße bleiben stehen. Man merkt es nicht, man steht einfach. Der Mund geht auf, ein halber Atemzug, der nicht weitergeht. Man spürt die Hand von jemandem am Arm, aber man dreht sich nicht um. Man kann sich nicht umdrehen. Die Augen brennen, und man weiß nicht, wann das angefangen hat. Der Lärm ist noch da, aber irgendwo anders hingegangen, als hätte jemand eine Tür geschlossen zwischen einem selbst und dem Rest.

Man murmelt Alhamdulillah. Nicht weil man nach einem Wort gesucht hat. Die Dankbarkeit war vor dem Wort schon da.

Und in diesem Moment, nicht später, wenn man darüber nachdenkt, sondern genau jetzt, mit dem Blick auf sie, weiß man: Man hat das nicht verdient. Man kennt die Nächte, in denen das Gebet auf dem Teppich lag und man daneben. Man kennt die Tage, an denen man an einer Moschee vorbeiging, ohne stehenzubleiben. Man weiß das alles. Und man steht trotzdem hier.

Man wurde eingeladen.

Nicht wegen dem, was man getan hat. Trotz dem, was man nicht getan hat.

Die Tausenden um einen: da, und trotzdem ist man allein. Nicht einsam. Allein.

Sie war immer genau hier. Man selbst hat nur den Weg gebraucht.

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