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Warme Kueche als Erinnerung an Zuhause und Kindheit

Was zu Hause riecht

Bevor man die Tür aufmacht, weiß man schon, dass alles gut ist.

Es gibt einen Moment auf der Treppe, irgendwo zwischen dem zweiten und dritten Stock, in dem man es schon riecht. Noch bevor man die Tür sieht. Noch bevor man klingelt. Die Beine, die eben noch schwer waren, werden leichter. Man nimmt die letzten Stufen schneller. Man weiß nicht warum. Man weiß es genau.

Gusht, Birinc und Birjane. Ein Geruch, der sich in das Treppenhaus schleicht und einen beim Namen ruft.

Die Tasche schlägt gegen das Bein. Die Schultern sind noch hochgezogen. Aber der Tag, der gerade noch so groß war. Das Pausenhofgeschrei, die Hausaufgaben, die man vergessen hat. Er wird kleiner mit jeder Stufe. Kleiner und kleiner, bis man klingelt.

Dade kocht. Das weiß man, noch bevor sie aufmacht. Man hört sie nicht, man sieht sie nicht, aber sie ist da, in der Wärme, die durch den Spalt kommt, wenn die Tür aufgeht.

Man zieht die Schuhe aus, lässt die Tasche fallen wo sie fällt, und setzt sich an den Tisch. Noch mit dem Staub der Schule in den Haaren. Und Dade stellt den Teller hin, ohne viel zu sagen, weil sie nichts sagen muss. Der Teller sagt es. Du bist hier. Iss.

Man isst. Draußen ist die Welt. Hier ist Dade.

Heute stehe ich manchmal in einer Küche und rieche etwas, das mich für eine Sekunde stillstehen lässt. Nicht weil es dasselbe ist. Sondern weil es fast dasselbe ist. Und dieses Fast ist das Schwere.

Die Treppen gibt es noch. Den Geruch gibt es noch. Nur das Kind, das diese Stufen hinaufgelaufen ist, gibt es so nicht mehr.