
Fünf bis zehn Minuten
Man parkt. Man zieht den Schlüssel ab. Und dann sitzt man einfach. Noch nicht bereit, weiterzumachen.
Man parkt. Man zieht den Schlüssel ab. Der Motor wird still. Man sitzt.
Der Tag hatte eine Liste: HiWi-Stelle, zwei Stunden. Dann das Büro für die Nummernschilder, weil Vater auf der Arbeit war. Dann der Einkauf. Dann Training. Dann hier.
Man hat alles geschafft. Das weiß man. Es ist dieses Wissen, das einen nicht sofort aussteigen lässt.
Man nimmt das Handy raus. Man scrollt. Man liest nichts. Man schaut nur, wie man aus einem Fenster schaut, ohne das Draußen wirklich zu sehen.
Draußen geht jemand vorbei. Man schaut zu. Man muss nichts. Das ist selten.
Es gibt kein Wort dafür, was man hier tut. Es ist kein Ausruhen. Der Körper ist nicht müde, nicht so. Es ist etwas anderes. Etwas, das nur existiert in der Lücke zwischen dem letzten Ort und dem nächsten. Zwischen dem, der man eben noch war, der abhakt, der fährt, der funktioniert, und dem, der man gleich sein wird, wenn die Tür aufgeht und jemand fragt, wie der Tag war.
Man ist für zehn Minuten keiner von beiden.
Und das ist es. Das ist das Seltene. Nicht die Stille, sondern dass niemand etwas von einem will. Nicht der Tag, nicht die Liste, nicht die Stimme am Telefon. Nicht das Kind, das man mal war und dem man beweisen muss, dass es sich gelohnt hat. Für zehn Minuten schuldet man niemandem eine Antwort. Nicht einmal sich selbst.
Man fragt sich jetzt, ob er das auch hatte. Einen Moment vor der Tür, bevor er reinkam. Ob er auch im Auto saß oder auf der Treppe oder irgendwo, wo niemand ihn sehen konnte, und kurz aufgehört hat, der zu sein, der alles trägt.
Man wird ihn nie fragen. Nicht, weil man sich nicht traut, sondern weil man die Antwort schon kennt. Sie steckt in diesen zehn Minuten.
Irgendwann legt man das Handy weg. Irgendwann kommt der Gedanke, leise, nicht dringend: Es wird Zeit. Kein Alarm. Kein Grund. Nur der Körper, der weiß, wann er fertig ist.
Man öffnet die Tür. Man steigt aus. Man nimmt die Tüten.
Diese zehn Minuten stehen in keinem Plan. Niemand hat sie geschickt. Niemand wartet auf sie. Aber sie sind da, jeden Tag, zwischen dem letzten erledigten Ding und der Tür, die sich gleich öffnet. Und man merkt irgendwann, dass es immer derselbe Moment ist.
Ein Moment, der nur einem gehört. Bevor man wieder jemandem gehört.
In Erinnerung, Mazgin Nerway
